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Letzte Änderung:
13. June 2017 06:58

 

Krippengeschichte

Der Anfang der Krippe liegt im Dunkel der Vergangenheit. Als Sonderfall einer künstlerischen Gestaltungsform ist sie nicht auf einmal an einem genau zu definierenden Zeitpunkt und Ort entstanden sondern das Produkt einer langen Entwicklung mit mehreren Wurzeln. Im folgenden ein kurzer Abriss der Entstehungsgeschichte der ´Weihnachtskrippe´.(*)

Am Anfang der Entwicklung stehen Aufforderungen der Kirchenväter wie z.B. Johannes Chrysostomos den Entschluss der Hirten: ´Lasst uns nach Bethlehem gehen um das Ereignis zu sehen´ (Lk 2,15) innerlich nachzuvollziehen.

 

 

1. Das geistliche Schauspiel

 

Ein weiterer wesentlicher Schritt zur Entstehung kommt von den geistlichen Schauspielen die in England und Deutschland in ihren Anfängen bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen. Sie entstanden aus dem liturgischen Wechselgesang wurden im kirchlichen Raum abgehalten und entwickelten sich immer mehr zu einem außerliturgischen Geschehen. Sie befassten sich mit den Geschehnissen der heiligen Nacht bis zur Passion. Unbestritten sind sie eine wichtige Wurzel der Krippe. Liturgiegeschichtlich und theaterwissenschaftlich orientierte Forscher versuchen die Priorität des Schauspiels als Wurzel zu beweisen. Für die namhaften Krippenforscher Berliner und Kriss Rettenbeck aber ist das Schauspiel beziehungsweise das spielhafte Brauchtum nur ein Entwicklungsstrang. Größeres Gewicht liegt bei ihnen auf den kunstgeschichtlichen Faktoren.

Auch die weihnachliche Messfeier des heiligen Franziskus im Wald von Greccio (1223) wird durch ihre rekonstruierende äußere Gestaltung in die Reihe der liturgischen Spiele zur Weihnacht gestellt. Die Theorie des Jesuiten Meophile Raynaud (1587-1663) die Weihnachtskrippe sei aus der Nachahmung des vom Heiligen gestalteten Vorbildes entstanden wurde zwar vielfach verbreitet und wird bis heute kolportiert ist aber in seiner Ausschließlichkeit nicht korrekt.

Zur Frage nach der Hauptwurzel der Weihnachtskrippe als Gesamtheit stellt Berliner fest dass kein volkstümlicher Brauch eines Landes bekannt sei aus dem die Krippe erwachsen sein könnte. Die Theorie dass die Krippe schon Vorläufer in der Antike gehabt habe lehnt er ebenfalls ab.

Berliner schließt sich jenen Aussagen an die Krippe habe sich aus dem Brauch der Ausstellung eines das Festereignis darstellenden Kunstwerkes entwickelt.

Das Geheimnis um das Kind von Bethlehem hat die Menschen tatsächlich schon sehr früh in Liturgie Feier und Kunst beschäftigt. Bereits um 400 beginnt die mystische Verehrung des Gotteskindes. In den Frauenklöstern des Mittelalters gelangte sie zu hoher Blüte und fand Ausdruck im kirchlichen Brauchtum durch eine kleine Christkindfigur ("Trösterlein"). Aber auch jenseits der Klostermauern vor allem in den Pfarrkirchen bildeten sich verschiedene Andachtsübungen um das Jesuskind heraus.

 

 

2. Nachbildungen der Geburtshöhle

 

Der wissenschaftlich bedeutsamste Faktor für die "Entstehung" der Krippe ist nach Berliner im Jahre 1291 anzusetzen. Der Kanoniker Pandolfo stiftete eine Kapelle im Seitenschiff von S. Maria Maggiore in Rom. Diese Kapelle in Gestalt eines kleinen Häuschens enthielt einen Altar und Figuren die die "Anbetung der Könige" darstellte. Vom frühen 14. Jahrhundert an werden nun krippenartige ständige Darstellungen dieser Szene in Italien gebräuchlich. (Ständige Rekonstruktionen der Geburtsnacht werden erst beträchtlich später üblich!) Die bisher älteste dokumentarische Bezeugung einer krippenartigen Darstellung findet sich in einem Vertrag mit einem Künstler aus dem Jahre 1384. Nördlich der Alpen fehlen Hinweise auf eine solche Darstellung vor der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Dass es vereinzelt Nachbildungen der Geburtshöhle von Bethlehem in mehreren Kirchen Roms in der Umgebung der Liberanischen Basilika gegeben hat ist bekannt. Diese wurde von Papst Liberius (352-366) der um 354 das Fest der Geburt Christi vom 6. Jänner auf den 25. Dezember dem Tag der ´unbesiegbaren Sonne´ wie ihn die orientalischen Mysterienreligionen in Rom noch feierten vorverlegt haben soll erbaut. Seit der Mitte des 6.Jahrhunderts hieß sie S. Maria ad praesepe (Maria bei der Krippe) und erst seit der Mitte des 9.Jahrhunderts S. Maria Maggiore. In ihr werden die seit 1170 nachweisbaren - in ihrer Echtheit längst widerlegten - Reliquien der 5 Brettchen der Krippe Christi verwahrt. Die wichtigste Aufgabe der Nachbildungen der Geburtshöhle war es Ersatz für die heilige Stätte zu sein weniger die Rekonstruktion der Geschehnisse.

Als vermutlich früheste bekannte Kirchenkrippe nennt Berliner die des heiligen Cajetan von Thiene(1480-1547). Die Dominikanerinnen von S. Sapienca in Neapel bestellten 1558 Figuren für ein ´praesepe´ und die erste sicher bezeugte "Krippe" war eine Jesuitenkrippe im Kolleg zu Coimbra 1560 in Portugal. Im späten 16. Jahrhundert gibt es nachweislich Krippen in Prag Sizilien Neapel und durch die Jesuitenmission in Indien Brasilien (1592) und in Japan (1595). In Deutschland entstanden zur gleichen Zeit erst die frühesten bekannten ständigen Geburtsgruppen (Frauenkirche München Augsburger Dom).

Der für die weitere Entwicklung entscheidende Schritt geschah jedoch nördlich der Alpen. In den böhmischen Jesuitenkirchen taucht ab 1562 die realistische Veranschaulichung der Geburtsgeschichte als vorbeigehende Darstellung zum Fest auf! Erst als auch die Jesuiten in Bayern diesen Brauch aufnahmen legten sie den Grundstein für die plastische Kirchenkrippe in deutschen Landen.

In den folgenden Jahrzehnten breitete sich diese Art der Kirchenkrippe

über Bayern Salzburg Tirol immer weiter aus. Die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts ist für die Jesuiten im Gebiet des schwäbischen Stammes die Zeit der ausgeprägtesten Krippenpflege die sonst für keine Periode und für kein Gebiet in dieser Intensität nachgewiesen werden kann. Berliner meint dass die Krippe ihre Verbreitung nicht einer bestimmten Frömmigkeitsbewegung verdankt

sondern einem allgemeinen Vergegenwärtigungsbedürfnis das aus verschiedenen Beweggründen entstehen kann.

 

 

3. Die Hauskrippe

 

Die Geburtsstätte der Krippe liegt also im innerkirchlichen Raum.

Über die Paläste der Fürsten und Adeligen und deren Kapellen

kam sie alsbald in die privaten Wohnungen und es entstand der Brauch der Hauskrippe. Die früheste bekannte häusliche Krippe stand in der Burg des Piccolomini di Aragona in den Abruzzen und wird in einem Inventar 1567 erwähnt.

Seit dem 17. Jahrhundert verbreitete sich der Brauch Hauskrippen aufzustellen und es kam zu einer vielfältigen Entwicklung je nach Land Volksempfinden und Brauchtum. Immer aber spielte die Oberschicht eine exemplarische Rolle für das Volk. Dieses nahm die Anregungen auf und führte sie mit seinen geringen finanziellen Mitteln weiter. Je mehr sich die Krippe in den Privathäusern verbreitete desto volkstümlicher wurde sie.

Während in der Blütezeit der Krippe im 18. Jahrhundert in Italien die Hauskrippen der höfischen und adeligen Kreise oft überdimensionale Formen annahmen(prunkvolle Palastkrippen) blieb die Ausgestaltung der Hauskrippe auf deutschem Gebiet eher schlicht und beschaulich und das heilige Geschehen der Mittelpunkt der Darstellung. Die Menschen dieser Zeitepoche wollten keine Enge so wurde die Krippenlandschaft weit ausladend und füllte in den Kirchen ganze Seitenschiffe aus. Der Bedarf an Krippenfiguren und Ausstattungsgegenständen war enorm so dass ihre Herstellung zu einem eigenen Erwerbszweig wurde.

Gerade in dieser Höhe zeigte sich schon das nahende Ende. Der Bogen war überspannt. Das heilsgeschichtliche Ereignis war nicht mehr das Wesentliche sondern zur Nebensache degradiert worden. Spiel Posse und Illusion waren dominierend.

Die aufkommende konträre neue Geisteshaltung hat dieser (Fehl)Entwicklung ein überraschend schnelles Ende bereitet. Mit der Erreichung auch der gebietsmäßig größten Ausdehnung in dieser Zeit der Hochblüte differenzierte sich naturgemäß länderweise die formale Entwicklung.

 

 

4. Das Krippenwesen in Österreich

 

Das Österreich der Habsburger hat drei traditionelle Krippengebiete hervorgebracht: Die beiden Tirol mit Innsbruck als dem weltlichen und Brixen als dem geistlichen Mittelpunkt dann das Erzbistum Salzburg mit dem Salzkammergut und den angrenzenden Regionen (bis in die Steiermark) und schließlich das ehemals österreichische Böhmen mit Prag als Zentrum. Weite Landstriche haben hier den Krippenbrauch übernommen wobei als Besonderheit zu vermerken ist dass die Weihnachtskrippe schon sehr früh eine Angelegenheit des Volkes wurde und zu größerer Bedeutung gelangte als die Krippe im kirchlichen Bereich.

Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts treten die heimatliche Landschaft und Holzfiguren in den Vordergrund. 1782 verbot Kaiser Josef II. die Kirchenkrippe. Der Bevölkerung konnte die Krippenfreude aber nicht genommen werden zu tief war sie im einfachen Volk verwurzelt. 1804 wurde das Verbot wieder aufgehoben.

 

(*) Diese Zusammenfassung folgt im wesentlichen den Ausführungen

Otmar Schuntners: "Die Weihnachtskrippe. Ein Wort der Heiligen Schrift

in sichtbarer Gestalt"

Diplomarbeit an der Universität Graz 1988)